Büroklammer

Schon  ab dem 3. Jahrtausend vor Christus finden sich Gegenstände, die mit jenem Ding verwandt sind, das wir heute als Büroklammer bezeichnen. Zwar gab es damals noch keine Aktenberge in schicken Konferenzräumen, trotzdem bestand anscheinend die Notwendigkeit  diverse Dinge zusammenzuhalten. Und das tun sie nach wie vor, die kleinen nützlichen Büro-Accessoires in allen möglichen Größen, Farben und Formen. Eines ist ihnen jedoch gemeinsam – in Wirklichkeit ist es nur ein geschickt geformtes Stück Draht.  
Doch diente die kleine Metallklammer in ihrer Geschichte nicht immer nur der ordentlichen Aufbewahrung von losen Blättern. 1940, als die deutsche Wehrmacht Norwegen besetzte, erlangte das kleine Ding erstmals politische Bedeutung. Die Norweger und Norwegerinnen begannen, Büroklammern am Kragen zu tragen, was als Zeichen der Treue zu König und Regierung zu verstehen war. Daraufhin wurde die untypische Verwendung der Klammern durch das Nazi-Regime verboten und viele norwegische KlammernträgerInnen ins Gefängnis gesteckt.
Aber nicht nur im politisch-historischen Kontext wurden die Klammern höherer Bedeutung zugeführt. Auch in die Kunstwelt haben sie Einzug gehalten und wurden zu kleinen Kunstwerken, die aus einem einzigen neu geformten Klammern-Draht bestehen, zu meterlangen Ketten zusammengehängt oder zu großen Skulpturen zusammengelötet. Hier kann außerdem noch einmal der Konnex zum norwegischen Büroklammern-Mythos hergestellt werden, der 1998 die Whitewell Middle School in Tennesee zu einem Projekt inspirierte. Aus sechs Millionen Büroklammern entstand ein riesiges Denkmal für die sechs Millionenen im Holocaust umgekommene Opfer, auch wenn die norwegische Kampagne in ihrer Zielrichtung überhaupt nichts mit einem Protest gegen die Vernichtung von Juden und Jüdinnen zu tun gehabt hatte.
Wenn es auch nicht immer ein politisches Statement im Spiel ist, Büroklammern sind sehr vielseitig einsetzbar – das macht sich im täglichen Leben oft bemerkbar. Sei es zur Nagelreinigung, als Krawattennadel, als Schraubendreher oder zum reinigen von Pfeifen und anderen filigranen Gegenständen.

Geschichte

 

Wie schon erwähnt, fanden sich die ersten der Büroklammer ähnlichen Gegenstände schon lange bevor es In war sich in Büroräumlichkeiten zu tummeln. Ein wirklicher Ursprung oder Erfinder kann leider trotzdem, oder gerade deshalb nicht festgemacht werden. Die industrielle Fertigung von Büroklammern taucht zum ersten Mal 1890 in England auf, wo sie von The Gem Manufacturing Comopany produziert wurden. Neun Jahre später wurde William Middlebrook aus Conneticut das Patent zur industriellen Fertigung erteilt. Im selben Jahr beantragte auch ein anderer, Johan Vaaler aus Kristiania (Oslo), ein ebensolches Patent, das er allerdings nicht vermarktete. Diese Büroklammer hatte allerdings noch nicht die heute übliche Form. Die innere Windung fehlte und die Klammer war deutlich runder.
Im Jahr 1919 wurde durch den österreichischen Fabriksbesitzer Hans Sachs die heutige optimierte Form mit spitzem Ende entworfen. Doch dieses Kind hat noch viel mehr Väter – das Early Office Museum listet mehr als 20 Erfinder und Patente auf.

-->