
Das "Modell T", umgangssprachlich auch „Tin Lizzy“ genannt, was auf deutsch soviel wie „Blechliesel“ heißt, war einst das meistverkaufte Auto der Welt. 1972 wurde ihr dieser Titel vom VW Käfer abgenommen. Dennoch sprechen die Verkaufszahlen Bände und markieren einen, oder besser den Wendepunkt in der Geschichte der industriellen Produktion. Henry Ford, einer der Pioniere der zweiten industriellen Revolution, wollte mit dem Modell T die Massenmotorisierung bewerkstelligen, was ihm auch gelang. Die Gestaltung des Verkaufsschlagers war weitgehend von Produktionstechnik und Pragmatismus bestimmt und wurde schließlich zum Bestandteil der Folklore. Die Konstruktion ist simpel und vor allem langlebig, fast alle Reparaturen können ohne Spezialwerkzeug durchgeführt werden. Ersatzteile waren seinerzeit im Eisenwarenhandel zu finden. Mit europäischen Fahrzeugen, die auf einem hohen technischen Niveau hergestellt wurden, ist die Blechliesel nicht zu vergleichen, aber das war ja auch nicht Ziel von Henry Ford. Er wollte einen leistbaren und einfachen Wagen für jedermann herstellen. Dazu war es notwendig, die Produktion gehörig umzustellen.
Das Modell T war das erste Auto, das am Fließband produziert wurde. Nach der Umstellung auf Fließbandfertigung am 14. Januar 1914 wurde der Verkaufspreis von $ 850,- ($ 18.194 in heutiger Kaufkraft) auf $ 370,- ($ 7.920 in heutiger Kaufkraft) gesenkt. Um die Fertigung zu beschleunigen, wurde zwischen 1915 und 1925 nur in Schwarz produziert, da man so nur eine Lackierstraße brauchte und diese Farbe am schnellsten trocknete. Die durch die immer weiter entwickelte Rationalisierung der Fließbandfertigung erreichten Preissenkungen waren angesichts der hoffnungslos veralteten Technik und des mangelnden Komforts des Model T im Vergleich zu den Konkurrenzmodellen in den 1920er Jahren auch nötig, um den hohen Absatz des Wagens zu gewährleisten. Die zeitweiligen Tagesproduktionen von 9000 Stück mussten auch verkauft werden und dies ging nur noch über den sehr günstigen Preis.
Die Ford Motor Company wurde 1903 von Henry Ford in Detroit gegründet. Wie bereits erwähnt, geht der radikale Umbruch in der Großserienproduktion von Autos auf das Konto dieses Unternehmens. Ford ging auf die Ideen von Eli Whitney, einem US-Amerikanischer Erfinder aus dem 18./19. Jahrhundert, ein, der die erste Fertigungsstraße entwarf, die austauschbare Teile benutzte.
Nicht umsonst existiert der Begriff des Fordismus. Er beschreibt die standardisierte Massenproduktion von Gebrauchsgütern mit Hilfe von hoch spezialisierter, monofunktionaler Maschinen und Fließbandfertigung. Relativ hohe ArbeitnehmerInnenlöhne, welche die Nachfrage ankurbeln sollen, sind charakteristisch für die fordistische Arbeitsweise. Im Jahre 1914 verdoppelte Henry Ford etwa den Tageslohn seiner ArbeiterInnen auf fünf Dollar. Somit zahlte er seinen Arbeitern in drei Monaten soviel, wie eines seiner T-Modell-Autos kostete. Diese und andere Maßnahmen sollten das Einverständnis der ArbeiterInnen mit den neuen Produktionsmethoden erhöhen, indem es eine instrumentelle Arbeitshaltung förderte.
Der Fordismus beruht auf den Entwicklungen des New Deals und der Sozialpartnerschaft, das heißt auf sozialen Sicherungssystemen, lebenslanger Anstellung bei einem Arbeitgeber und einer weitgehenden Vollbeschäftigung. Die Krise des Fordismus begann in den späten 1960er Jahren und wurde durch die Verschärfung sozialer Konflikte vorangetrieben. Zusätzlich konnte die standardisierte Produktpalette, die zunehmend individualisierte Nachfrage nicht zufrieden stellen. Die starre fordistische Massenproduktion nahm diese Entwicklung zu spät wahr, was zu Überproduktion und letztlich sinkenden Gewinnen führte. Dem Fordismus folgten Entwicklungen, die man als Toyotismus oder Postfordismus bezeichnet.
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Dumont Design Lexikon, USA