
Als der erste Goldbär das Licht der Welt erblickte, konnte wohl niemand ahnen wie erfolgreich sein weiterer Weg noch werden würde. Hans Riegel, der Gründer von HARIBO, kreierte 1922 in einer Waschküche die erste Bärenform der beliebten Fruchtgumminascherei - in Anlehnung an eine zu dieser Zeit beliebte Jahrmarktattraktion: den Tanzbären. Die damalige Bärenform war größer und schlanker als unser heutiger Gummibär. Erst 1960 kam als Nachfolger des Tanzbären der Goldbär auf den Markt, der ein Jahr später im praktischen Zellophan Beutel sein Zuhause erhielt. 1978 bekam der Goldbär seinen letzten optischen Feinschliff, der ihm ein kompaktes und stilisiertes Aussehen verlieh, das entfernt an Werke abstrakter und zeitgenössischer Kunst erinnert. Ganz im Gegensatz zu einer anderen Bärenfigur. Der Teddybär von der Firma Steiff war und ist für Kinder wohl ebenso attraktiv, sein Design ist jedoch eindeutig niedlich und hat nichts von der kühlen eleganten Ausstrahlung des Gummibären. Der Goldbär als Miniaturstatue unserer Zeit hat seine endgültige, bis heute nicht mehr wesentlich veränderte, Form erhalten. Nur 2007 schenkte HARIBO dem Gummibärchen ein lächelndes Gesicht.
In einer Tüte Gummibären – nur selten wird die Süßigkeit in der Alltagssprache „Goldbär“ genannt – finden sich dunkelrote, grüne, gelbe, orange, weiße sowie hellrote Fruchtgummis. Da, zufolge einer Marktstudie, rote Gummibären weitaus die beliebtesten sind, jedoch weiße am wenigsten gerne gegessen werden, befinden sich in einer Packung weitaus mehr rote Bären. Ihre unterschiedlichen Geschmacksrichtungen erhalten Gummibären mittlerweile aus pflanzlichen Färbungsmitteln. Dies erklärt auch, warum es keine blauen Bären gibt: In der Natur existieren keine Farbstoffe aus denen eine akzeptable Blaufarbe gewonnen werden kann.
Außer pflanzlicher Färbemittel besteht ein Gummibär im Wesentlichen aus einer erstarrten Gelatinemischung, die ihm seine gummiartige Konsistenz verleiht, Wasser, Zucker, Säuerungs- und Überzugsmitteln. Neben dem klassischen HARIBO Gummibären produzieren eine Reihe anderer Firmen ähnliche bärenförmige Produkte, die zum Beispiel eine schweinefleischfreie Gelatine beinhalten und so auch von MuslimInnen, JüdInnen und VegetarierInnen gegessen werden können.
„Jelly Babys“, so der englische Name der Gummibären, wurden aufgrund ihres anonymen Designs, dass durch seine transparente Konsistenz und seine kräftigen Farben besticht, zu einem modernen Kultobjekt. Immer wieder beschäftigen sich Künstler verschiedenster Kunstrichtungen mit dem Fruchtgummi. Günther Siraky verwendete beispielsweise in seinem Kunstprojekt 35 000 Bären um einen Mercedes zu verschönern und verwandelte das Auto so zu einem glitzernden Edelstein. Und auch in der Fotografie ist der Gummibär als belebendes Objekt sehr beliebt.
Wer mehr über die Geschichte des Gummibären erfahren möchte, kann eine der zahlreichen Ausstellungen besuchen, die es in den letzten Jahren, dem bunten Bären zu Ehren gegeben hat.
Der Gummibär ist schon lange nicht mehr bloß eine Nascherei, sondern auch ein besonders buntes Kunstobjekt unserer Zeit.