Jenaer Glas

Im Jenaer Glaswerk in Thüringen wurden 1884 die technischen Vorraussetzungen dafür geschaffen, herdtaugliches Haushaltsglas zu produzieren. Otto Schott und die Gebrüder Zeiss entwickelten hitzebeständiges und chemisch resistentes Borosilicatglas, das unter dem Namen JENAer GLAS bekannt wurde. Das Glas wird sowohl gepresst als auch geblasen, wodurch es temperaturwechselbeständig wird und somit fürs Kochen und Backen wie auch fürs Einfrieren geeignet ist. Diese neue Technologie leitete eine neue Entwicklung der Gebrauchskultur ein, vor allem als 1930 Entwürfe von Wilhelm Wagenfeld umgesetzt wurden.



Produktdesign von Wagenfeld

 

Wagenfeld, ein deutscher Produktdesigner, stand in der Tradition des „Bauhaus- Design“ und gilt als einer der Pioniere des Industriedesigns. Seine Zusammenarbeit mit JENAer GLAS führte zu einer der frühesten Verbindungen von Kunst und industrieller Technik. Wagenfeld stellte auch an industrielle Massenprodukte den Anspruch einen ästhetischen Wert zu transportieren. Seine Entwürfe waren einerseits multifunktional, langlebig und praktisch, sie sollten andererseits jedoch auch ein Stück moderne Kunst in den Haushalt bringen. Einer der unauffälligsten Entwürfe, eine dickwandige Kochschüssel war bald in jedem Haushalt zu finden. Der Deckel der Schüssel konnte einerseits als Pfanne als auch als Servierteller verwendet werden.
Ein weiteres Produkt, das in Kooperation zwischen Wilhelm Wagenfeld und JENAer GLAS entstand und bis heute als ein Klassiker im Haushalt gilt, ist ein Teeservice im Bauhausdesign von 1931. Die Teekanne, deren Einzelteile von Hand gefertigt wurden, findet sich noch heute im Museum of Modern Art in New York.
Wagenfelds Ziel war die Einheit von Kunst und Technik. Er sah sich selbst als einen „künstlerischen Mitarbeiter“ der Industrie. In dieser Rolle fühlte er sich jedoch nicht nur für die Aspekte der Formenschönheit zuständig. Schon früh interessierte er sich für die Verbindung von Industriedesign und ökologischen Aspekten. Er forderte die ökonomische Verwendung von Materialien und eine Vereinfachung der Produktion. Außerdem legte er großen Wert auf die Langelebigkeit seiner Produkte. Wilhelm Wagenfeld schuf zahlreiche Dinge des Haushalts, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreuen. Er hat die Produktkultur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich mitbestimmt. Wagenfelds Überzeugung „Formen heißt Gestalt finden“ prägte eine Phase des Industriedesigns, in der die Produktion von Alltagsgegenständen mit einer hohen Qualität, großer Funktionalität und natürlich einem künstlerischen Anspruch, im Vordergrund standen. JENAer GLAS wurde mit Wagenfelds Modellen Teil und Mitbegründer einer neuen Ästhetik, der Ästhetik der Moderne.
JENAER Glas wird mittlerweile nicht mehr in seinem Gründungsstandort in Jena produziert, sondern in der bayrischen Kleinstadt Zwiesel. Seitdem können auch die original JENAER Glas Produkte nur mehr ersteigert oder im Museum gekauft werden. In zahlreichen Museen werden sie jedoch weiterhin zu bewundern sein.

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