Kugelschreiber

Ein Produkt das selten selbst gekauft, dennoch beinahe täglich verwendet wird, ist der Kugelschreiber. Ähnlich wie Feuerzeuge bekommen wir immer wieder irgendwoher neue, sei es als Werbegeschenk oder etwas dreister – einfach von der Sitznachbarin geklaut. Warum das so ist, ist schnell erklärt. Im Laufe der Zeit haben sich Kugelschreiber durch die sehr billige Massenproduktion zu einem Wegwerfprodukt entwickelt. Ein Kugelschreiber benötigt im Gegensatz zur Füllfeder keinerlei Pflege, er kann (fast) nicht durch zu festes Aufdrücken oder groben Umgang zerstört werden und der Inhalt einer Standard-Mine reicht für einen mehrere Kilometer langen Strich. Insofern ist der Kugelschreiber ein extrem billiges aber auch zuverlässiges Schreibgerät, das aus dem Federpennal nicht wegzudenken ist.
Bis es allerdings soweit kam, dass der Kuli so funktional und auch billig werden konnte, waren viele Jahre an Forschung und erfinderische Geister notwendig.
Heute ist der größte Kugelschreiberhersteller der Welt die Firma BIC, deren Name auch zum Synonym für Kugelschreiber wurde. Sie waren die ersten, die den Kugelschreiber massenhaft produzierten und ihm wie vielen anderen Produkten, die von der Firma erzeugt werden (z.B. Einwegrasierer, Feuerzeuge), den Wegwerfcharakter verliehen. Ein Phänomen, das in der heutigen Konsumgesellschaft, die nicht zu unrecht auch als Wegwerfgesellschaft bezeichnet wird, bei vielen Gebrauchsgütern auftritt.

Geschichte

 

Bereits Galileo Galilei fertigte eine Skizze an, die eine Art Vorläufer des Kugelschreibers zeigt. Erste Patente zu Schreibgeräten, die ihre eigene Tinte mitführen, gab es im 19. Jahrhundert. Der gebürtige Ungar László József Biró erfand, unterstützt von seinem Bruder Georg, in Budapest in achtzehnjähriger Entwicklungsarbeit die Grundform des heutigen Kugelschreibers mit Farbmine und rollendem Kügelchen in der Minenspitze zum Auftrag der Farbmasse auf das Papier. In einigen Ländern wird der Kugelschreiber auch heute noch nach seinem Erfinder genannt, z.B. im Englischen und Italienischen „biro“. Sein im Jahr 1938 erstmals in Ungarn erteiltes Patent ließ er am 27. Dezember 1938 in den USA als „Fountain Pen for Pulpink Ink“ (später „Ball Pen“) und 1943 in Argentinien erneuern, wohin er 1940 vor den Judenverfolgungen in Ungarn geflohen war. Er gründete dort die Firma „Sylvapen“.
Der tatsächliche Durchbruch für den Kugelschreiber kam mit dem britischen Geschäftsmann Henry George Martin. Er erkannte den Kugelschreiber als ideales Schreibwerkzeug für Flugzeugbesatzungen, weil er auch in großen Höhen funktioniert, ohne dabei zu klecksen. Er kaufte Biró die Patentrechte ab, gründete gemeinsam mit Frederick Miles im Jahr 1944 in Reading (Berkshire, England) die erste Kugelschreiberfabrik der Welt und startete die Serienproduktion. Im ersten Jahr seines Bestehens lieferte das Unternehmen 30.000 Kugelschreiber an die Royal Air Force.
Wenn auch der Kugelschreiber schon weit entwickelt war – das Problem des Klecksens bekam erst der Franzose Marcel Bich wirklich in den Griff. Unter dem Namen BIC (sein wirklicher Name ähnelte zu sehr dem englischen Schimpfwort „Bitch“) brachte er Ende 1950 seinen Kugelschreiber auf den Markt und läutete damit endgültig das Zeitalter des Kugelschreibers als Massenprodukt ein.


Foto: Trounce

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