Polaroid

 

Klicken, surren, wedeln – fertig: Die Bedienungsanleitung für das Wunderding der Fotogeschichte, die Polaroid-Sofortbildkamera. Was am Anfang als vorübergehendes Spielzeug abgetan wurde, schrieb in den letzten 60 Jahren Erfolgsgeschichte. Im Zeitalter der digitalen Fotografie ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Bilder sofort nach dem Abdrücken sichtbar werden. Vor ein paar Jahrzehnten grenzte die Erfindung des amerikanischen Physiker Dr. Edwin Herbert Land an ein Wunder. Den Anstoß dazu kam von seiner kleinen Tochter, die die gemachten Fotos sofort nach dem Fotografieren anschauen wollte. Land ließ der Wunsch seiner kleinen Tochter nicht mehr los und im Februar 1947 überraschte er die Welt mit der ersten Sofortbildkamera. Genau 60 Jahre später, im Februar 2008, stellte das Unternehmen, dessen Name zum Synonym für Sofortbild geworden ist, die Produktion der Kultkamera und den dazugehörigen Filmen ein. Auch wenn sich die Kameras heute noch (vor allem in der Kunstwelt) großer Beliebtheit erfreuen, hat die digitale Fotografie den Sofortbildkameras das Ende bereitet. Zu teuer sind die „Trennbildfilme“ um mit den digitalen Produkten konkurrieren zu können. Insofern haben sich viele LiebhaberInnen aber auch intelligente HändlerInnen mit Filmen eingedeckt, bevor die Produktion gestoppt wurde. Dass die Kamera auch im 21. Jahrhundert noch eine Fangemeinde hat, liegt wahrscheinlich auch an der Philosophie, die Erfinder Land ihr mit auf den Weg gegeben hat: Polaroid-Fotografie mag nicht mehr die schnellste sein - aber das "Ausdrucksmedium" Polaroid-Bild hat immer noch ein gewisses, spontanes, künstlerisches Etwas.

Geschichte

Kameras gab es schon vor 1947. Die eigentliche Neuerung bei der Sofortbildkamera lag dabei weniger in der Kamera selbst. Es war der dazugehörige "Trennbildfilm", bei dem ein von Land erfundenes Schnellentwicklungsverfahren das belichtete Negativ unmittelbar nach dem Fotografieren auf ein Positiv übertrug. Beim Herausziehen des Polaroidbilds aus der Kamera lief der Trennbildfilm zwischen zwei Walzen hindurch, die eine Entwicklerpaste zwischen Positiv und Negativ verteilten. Nach einer kurzen Wartezeit von 30 bis 90 Sekunden konnte man dann das fertige Positiv abziehen und bei Licht betrachten. Zum Preis von 89,50 Dollar war die erste Polaroid-Kamera in den USA unter der Bezeichnung "Land Camera Model 95" ab Herbst 1948 im Handel. Obwohl damit zunächst nur Schwarzweißfotos möglich waren, wurde schon 1956 die Millionste Kamera verkauft. Vier Jahre später beschäftige die Polaroid Corporation in Boston/Cambridge, bereits über 2.500 Mitarbeiter.
Dass es sich bei den Polaroid-Kameras nicht um reine Industrieprodukte handelt, sondern vor allem in der Produktion ein kreativer und künstlerischer Anspruch besteht, zeigt Lands Art über seine Arbeit zu sprechen. "Entdeckungen werden von wenigen Einzelnen gemacht, die sich von der üblichen Denkweise befreit haben und Altbekanntes mit frischem, ungetrübtem Blick betrachten." Um seinen MitarbeiterInnen den zu ermöglichen, gewährte ihnen der Chef ungewöhnlich große Freiräume während der Arbeit. Weiterbildungskurse über Chemie bis hin zur Fotografie sollten Kreativität fördern, häufig wurden ProduktionsmitarbeiterInnen an neuen Entwicklungsprojekten beteiligt, um so neue Talente und Interessen zu wecken. Zudem wurden nicht nur MitarbeiterInnen beteiligt, häufig zog Land auch namhafte FotografInnen hinzu, um die Produkte aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu lassen.

Und zum Schluss muss noch ein alter Irrglaube aufgehoben werden: Durch wedeln mit dem Foto, nachdem es die Kamera ausgespuckt hat, entwickelt sich das Bild keinesfalls schneller. Ganz im Gegenteil: Durch zu heftiges Wedeln, können sich die Chemikalien trennen und Blasen entstehen. Also an alle die noch Polaroids digitalen Bildern vorziehen: Die Bilder einfach auf einen Tisch legen und warten.

 

Foto: Janine Pohl

 

Links und Bücher

Wikipedia, Polaroid
Artikel auf spiegel-online.de
Hompage Polaroid

Dumont Designlexikon, USA

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