
1980 kamen die Post-its, im Original kanariengelb und im Format 76 x 76 Millimeter, auf den US-amerikanischen Markt und traten von dort ihren Siegeszug rund um die Welt an. Innerhalb weniger Jahre konnten sie sich als unverzichtbare Büromaterialien etablieren. Werbung und Produktdesign der Hersteller-Firma 3M taten in den folgenden Jahren ihr Übriges, um Post-its auch in Schulen, Bibliotheken und Haushalten, unter Liebenden (in Herzform) und Großeltern (als Weihnachtsgeschenk-Kennzeichner in Tannenbaumform) zu verbreiten. Die wiederverwendbaren Haftzettel sind heute kaum mehr wegzudenken, ob ihrem ursprünglichen Zweck entsprechend als Lesezeichen, Notizzettel, die schwer zu verlieren sind, oder Einkaufszettel. Nicht auszudenken ist, was Schülerinnen und Schüler rund um den Erdball heute während langweiligen Schulstunden tun würden, hätten sie nicht Post-its um „Wer bin ich?“ zu spielen. Alle kennen sie also, die handlich-praktischen Gedächtnisstützen. Anzunehmen, Post-its müsste es eigentlich schon so lang wie die Menschheit selbst geben, wäre dann aber doch etwas blauäugig. Ganz im Gegenteil: die Post-its wären nämlich beinahe nicht erfunden worden!
1968 versuchte Spencer Silver, Chemiker der Firma 3M, einen neuen Superkleber zu erfinden, der allein durch die Berührung zweier Oberflächen wirksam werden sollte. Der aus kleinen, unzerstörbaren Acryl-Teilchen gefertigte Klebstoff von Silver war in der Lage, Dinge zusammenzukleben. Zugleich war es möglich, zusammengeklebte Gegenstände wieder voneinander zu lösen, ja, der Klebstoff konnte sogar immer wieder verwendet werden.
Silver wollte seine Erfindung nun als Spray vermarkten, 3M produzierte mit dem Klebstoff kurzzeitig selbsthaftende Pinnwände, doch der Erfolg blieb aus. Das Produkt wurde wieder vom Markt genommen und drohte in Vergessenheit zu geraten. Vor diesem Schicksal bewahrte es Art Fry, ein Arbeitskollege Silvers und passionierter Kirchenchorist, einige Jahre später: während einer Probe seines Chors kam er aus Ärger über herausfallende Lesezeichen auf die Idee, seine Gedächtnisstützen mit Silvers Zauberkleber zu bestreichen und so vorübergehend haftend zu machen – nun war das Post-it wenn noch nicht geboren, so doch schon gezeugt.
Zurück in der Arbeit stellte Fry seine Idee von haft- und wiederabnehmbaren Lesezeichen seinen KollegInnen und Vorgesetzten vor. Letztere befürchteten, ein solches Produkt würde verschwenderisch erscheinen, doch darauf legten die Angestellten von 3M wenig wert – sie waren ganz verrückt nach der Erfindung. Dies überzeugte schließlich auch die Firmenleitung, in den kommenden fünf Jahren viel Geld und Zeit in das Ausfeilen der Erfindung und den Bau von Maschinen, die in der Lage waren, Post-its herzustellen, zu investieren. Eine Investition, die sich angesichts des späteren Erfolgs durchaus auszahlte – sind die erforderlichen Geräte erst vorhanden, beschränken sich Produktionskosten und –aufwand nämlich auf ein Minimum.
Abschließend kann mit ruhigem Gewissen behauptet werden, dass die vielfach ausgezeichneten Erfinder Spencer Silver und Art Fry sich nicht nur in Chemiker- und Erfinder-Kreisen verdient gemacht haben, sondern auch den Dank von Büroangestellten, Studierenden, Hausfrauen und –männern, Omas und Opas und vielen mehr, verdienen.
Foto: Pavel Krok