Regalsystem 606

Alle, die das selbst montier-, einstell- und versetzbare Regal mit Lochraster erst seit ihrem ersten Blick in einen IKEA-Katalog kennen, haben offensichtlich mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte der Designgeschichte verschlafen. Schon 1960 entwickelte Dieter Rams, ein ausgebildeter Architekt und Tischler aus Deutschland, sein Regalsystem 606. Die schier grenzenlosen Möglichkeiten der Anwendung und Gruppierung dieses Regalsystems lassen IKEA-Vorstellungen von Benutzerfreundlichkeit und Variationsfreiheit alt aussehen.  Die Grundkomponenten des Regals sind E-Profile, die an der Wand angebracht werden. In diese können beliebig dazugehörige Tablare, Kästen, Schubladen, Türen und sogar Kleiderstangen eingehängt werden. Diverse spezielle Ausführungen dieser Erweiterungskomponenten machen eine benutzerbestimmte Anwendung des Regalsystems im Wohnraum, aber auch für Büros, Ärztepraxen und Bibliotheken möglich. Durch die Erweiterung mit X-Profilen und/oder Auslegerfüßen kann das Regal auch zwischen Boden und Decke verspannt werden oder vollkommen frei im Raum stehen.  Das Regalsystem kann also als herkömmliches Regal, Sideboard, Kleiderschrank oder Raumteiler benutzt werden. In Kombination mit einem ebenfalls von Rams designtem Tisch aus seinem Programm mit der Nummer 570 lässt sich 606 auch zu einem ganzen Arbeitsbereich ausbauen. Die Komponenten des Regalsystems sind, je nach Anwendung, aus Aluminium, Stahlblech,  Holz oder Glas gefertigt und erhältlich, die Formen sind einfach und zeitlos. Durch seine Multifunktionalität, Flexibilität und beliebige Erweiterbarkeit wurde das Regalsystem 606 zu einem internationalen Designklassiker, mehrmals mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet und bis heute zu einem der erfolgreichsten Produkte des Designers Dieter Rahms.

Made in Germany

 

Das 1960 entwickelte Regalsystem wurde von der Firma Wiese-Vitsoe in Deutschland bis zu ihrer Schließung 1995 hergestellt. Um seine erfolgreichen Möbelsysteme weiterhin vertreiben zu können, gründete Rahms 1995 die Firma sdr+ (Systemmöbel Dieter Rahms), die seit diesem Zeitpunkt auch neue Designs vom Firmengründer selbst, Thomas Merkel und Dreiform herstellt und verkauft. Dieter Rahms ist gelernter Architekt und Tischler, sein Werk umfasst mehr als 500 Entwürfe, die nicht nur Möbelsysteme sondern auch Elektrogeräte beinhalten. Er war lange Zeit Direktor für Produktdesign der Firma Braun, ebenso wie Professor für Industriedesign an der Kunsthochschule in Hamburg. Von der Royal Society of Arts wurde er zum Royal Designer for Industry ernannt. Er und seine Entwürfe wurden mit vielen renommierten, internationalen Design-Preisen ausgezeichnet, ein Teil seiner Arbeit ist im Museum of Modern Art in New York ausgestellt.
Wer also beim nächsten Aufbauen einer IKEA-Regalgarnitur irgendwann verzweifelt versucht, die Wasserwaage anzuzünden, sollte sich vielleicht eingehend über das sdr+ Regalsystem  606 informieren – es ist hochoffiziell eine Entscheidung für Funktionalität und Geschmack. Und wem der Preis den Spaß verdirbt, dem seien diese tröstenden Worte gesagt: mit dem Regalsystem 606 kann man auch klein beginnen.

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