
Ei, Schwan, Ameise. Bei diesen Namen, denkt man nicht als erstes an Stühle. Sind sie aber. Stühle des dänischen Designers und Architekten Arne Jacobsen. Er wird als international wichtigster dänischer Architekt und Designer des 20. Jahrhunderts gehandelt. Ein allzu freundlicher Zeitgenosse dürfte Herr Jacobsen zwar nicht gewesen sein, aber ein Star auf seinem Gebiet. Er wurde 1902 in Kopenhagen geboren und starb 1971 ebenda. In den Jahren dazwischen hat er sich einen Namen als progressiver Designer mit klaren Vorstellungen gemacht. Wie schon erwähnt, wurden vor allem seine Stühle zu Klassikern der Möbelgeschichte des 20. Jahrhunderts. Er war der Erste, der Stühle mit Stahlrohrbeinen herstellte - damals eine gewagte Neuheit, heute ein fixer Bestandteil der Stuhlpalette. Sein Stuhl 3107, mit vier Stahlrohbeinen und einer dreieckigen Lehne, und der runden Sitzfläche, die aus einem Stück Holz gefertigt sind, wurde zum meistverkauften Stuhl aller Zeiten. 3107-Stühle sind leicht stapelbar und haben ein schlichtes aber geniales Design, zwei von vielen Gründen für den unglaublichen Verkaufserfolg.
Ein weiterer Klassiker aus seiner Feder ist der Stuhl „Svanen“, zu deutsch Schwan. Der 1958 geborene Schwan hat einige Besonderheiten aufzuweisen. Das spannendste zu erst: Er ist kein Polstermöbel. Er besteht aus aufgeschäumtem Styropor, das mit Stoff überzogen wird. Eine weitere Besonderheit ist seine geschwungene Form, die für damalige Vorstellungen doch ziemlich gewagt war. Zudem steht er nicht auf vier Beinen, sondern wie wir es von drehbaren Bürostühlen kennen, auf einem Ständer, der in einem am Boden liegenden Kreuz mündet. Der Stuhl „Svanen“ gehört mittlerweile zu den meistkopierten Sessel der Möbelgeschichte.
Interessant ist wie Arne Jacobsen auf seine spektakulären Formen kam. Seine Möbel wurden Millimeter für Millimeter am Gipsmodell im Maßstab 1:1 herausgearbeitet. Hinzugefügt werden muss, dass sich Jacobsen nie selbst die Hände schmutzig machten, sondern die Idee lieferte und deren Umsetzung kontrollierte. Die meisten seiner Entwürfe entstanden in Zusammenhang mit konkreten Bauprojekten. Das bekannteste und auch größte Projekt Jacobsens war das Royal Hotel der Fluglinie SAS im Zentrum Kopenhagens, das er Ende der 50er Jahre bis ins letzte Detail gestaltete. Vom Gebäude an sich bis zum Dessertlöffelchen stammt alles von Jacobsen. Mittlerweile wurde Jacobsens Gesamtkunstwerk kaputt renoviert.
1927 machte Arne Jacobsen seinen Abschluss an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen. Danach arbeitete er als Architekt.
Jacobsen ist dem modernen Funktionalismus zuzuordnen; seine Bauten und Designarbeiten waren beeinflusst durch Ludwig Mies van der Rohe, Le Corbusier und durch das Bauhaus.
Jacobsens Architektur zeichnet sich durch eine klare, an Geometrie und Material orientierte Formensprache aus. Diese leitete sich dabei weniger, wie es gern dargestellt wird, aus der Funktion ab (form follows function), sondern entsprang dem rigiden modernistischen Konzept Jacobsens, dem sich, im privaten Alltag, auch dessen Familie unterwerfen musste. Jacobsen galt KritikerInnen als architektonischer Diktator, der Gebäude so rigide durchgestaltete, dass es keinen Raum für persönliche Änderungswünsche gab. Im Gegensatz zu den architektonischen Arbeiten orientierten sich viele seiner Design-Projekte stark an organischen Formen. Jacobsen entwickelte hieraus an die Formensprache abstrakter Kunst erinnernde Objekte, die sich durch eine prägnante und klare Gestalt auszeichnen. Ein Hintergrund dieser anderen Akzentsetzung im Designbereich dürfte Jacobsens Naturverbundenheit sein - Jacobsen war passionierter Botaniker. In seinem Werk spiegelt sich sein Perfektionismus wider. Er soll fast permanent gearbeitet haben. Erholung bestand für ihn darin, sich einem anderen Bereich kreativer Betätigung zuzuwenden.
Foto: Lars Plougmann
Wikipedia, Arne Jacobsen
archINFORM, Online-Datenbank für Architektur, Arne Jacobsen
Dumont Designlexikon, Skandinavien